2. Quartal 2018

Bayer: Größte Übernahme in der Unternehmens­geschichte vollzogen

  • Monsanto-Geschäft ab dem 7. Juni anteilig enthalten
  • Konzernumsatz 9,5 Mrd. € (wpb. +8,5 %)
  • EBITDA vor Sondereinflüssen trotz ungünstiger Währungseffekte auf 2,3 Mrd. € (+3,9 %) gesteigert
  • Pharmaceuticals mit wpb. Umsatzwachstum bei gleichzeitigem Ergebnisrückgang – F&E-Investitionen deutlich erhöht
  • Consumer Health nochmals schwach
  • Crop Science mit starkem Umsatz- und Ergebnisplus nach schwachem Vorjahresquartal
  • Animal Health steigert wpb. Umsatz und Ergebnis
  • Konzernergebnis 0,8 Mrd. €
  • Bereinigtes Ergebnis je Aktie 1,54 € (+1,3 %)
  • Konzernausblick 2018 bestätigt; akquisitionsbedingt angepasst

Konzernzwischenlagebericht zum 30. Juni 2018

Wirtschaftliche Lage des Konzerns

Der Umsatz des Bayer-Konzerns stieg im 2. Quartal 2018 währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 8,5 % auf 9,5 Mrd. €. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA erhöhte sich um 3,9 % auf 2,3 Mrd. €. Hier wirkten sich negative Währungseffekte von rund 130 Mio. € aus.

Bei Pharmaceuticals erzielten wir wpb. einen Umsatzanstieg – im Wesentlichen durch die weiterhin insgesamt sehr gute Entwicklung unserer Hauptwachstumsprodukte – während das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA insbesondere wegen erhöhter Investitionen in F&E rückläufig war. Der Umsatz von Consumer Health lag wpb. leicht unter dem Niveau des Vorjahresquartals, das Ergebnis ging hingegen deutlich zurück. Das merkliche wpb. Umsatzwachstum bei Crop Science ist insbesondere auf die im Vorjahresquartal deutlich erhöhten Rückstellungen für Produktrückgaben von Pflanzenschutzmitteln in Brasilien aufgrund hoher Lagerbestände zurückzuführen. Nominal erhöhte sich der Umsatz von Crop Science um 39,2 %. Darin enthalten ist im Wesentlichen ein Portfolioeffekt von 25,0 % (543 Mio. €) aus der Übernahme von Monsanto. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA von Crop Science verdoppelte sich nahezu, vor allem aufgrund des genannten Effekts in Brasilien sowie des neu akquirierten Geschäfts. Animal Health konnte Umsatz und Ergebnis erfreulich steigern.

Unseren Konzernausblick haben wir um die Umsatz- und Ergebnisbeiträge von Monsanto ab dem Zeitpunkt der Übernahme angepasst. Da diese später erfolgte als von uns erwartet, werden wir aufgrund des saisonalen Geschäftsverlaufs im Agrarsektor im Jahr 2018 gegenüber der im Februar veröffentlichten Prognose inklusive Monsanto geringere Erträge erfassen. In unserem Ausblick haben wir die Finanzierungskosten für den Erwerb der Monsanto-Anteile sowie zeitanteilig die gestiegene Aktienanzahl der Bayer AG nach den Kapitalerhöhungen berücksichtigt. Die an BASF veräußerten Geschäfte sind ab dem Zeitpunkt des jeweiligen Verkaufs nicht mehr enthalten.

Wesentliche Ereignisse

Mit dem Erwerb von 100 % der ausstehenden Aktien der Monsanto Company mit Sitz in St. Louis, Missouri, USA (Monsanto), für 63 Mrd. USD inklusive übernommener Schulden schloss Bayer am 7. Juni 2018 die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte ab. Die Akquisition von Monsanto hat zwei starke Geschäfte zusammengebracht, die sich in hohem Maß ergänzen: das innovative chemische und biologische Pflanzenschutzportfolio von Bayer und das herausragende Wissen von Monsanto in den Bereichen Saatgut und Pflanzeneigenschaften. Wir sind jetzt ein führendes Unternehmen in der Landwirtschaft mit einem klaren Bekenntnis zu Innovation und Nachhaltigkeit – zum Nutzen für unsere Kunden und die Gesellschaft. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben eine umfassende Expertise im Agrarbereich, zudem verfügen wir über das stärkste Produktportfolio an Saatgut- und Pflanzenschutzprodukten für eine große Bandbreite an Kulturen und Indikationen, die beste Forschungs- und Entwicklungsplattform sowie das führende Digital-Farming-Geschäft.

Im Zusammenhang mit der unter Auflagen erteilten Freigabe der Europäischen Kommission von März 20181 vereinbarte Bayer mit der BASF SE am 26. April 2018 den Verkauf des weltweiten Gemüsesaatgut-Geschäfts, bestimmter Saatgutbehandlungsmittel sowie der Digital-Farming-Aktivitäten von Bayer für rund 1,7 Mrd. €. Diese Vereinbarung ergänzte den bereits im Oktober 2017 geschlossenen Vertrag zwischen Bayer und BASF, bei dem u. a. die Veräußerung des weltweiten Glufosinat-Ammonium-Geschäfts und der dazugehörigen LibertyLink™-Technologie zur Herbizidtoleranz sowie wesentlicher Teile des Geschäfts mit Saatgut in Feldkulturen zu einem Basiskaufpreis von 5,9 Mrd. € vereinbart wurde.

1 Für weitere Informationen verweisen wir auf den Zwischenbericht Q1 2018.

Am 29. Mai 2018 erhielt Bayer unter Auflagen die Genehmigung des US-Justizministeriums (DOJ = Department of Justice) für die Übernahme von Monsanto. Diese Auflagen beinhalteten eine sogenannte „Hold Separate“-Verpflichtung bis zum Abschluss der gesamten Veräußerungen an BASF. Diese wurden am 1. bzw. 16. August 2018 vollzogen, sodass die endgültige Integration des Monsanto-Geschäfts am 16. August beginnen konnte. Der gesamte Kaufpreis für die an BASF abgegebenen Geschäfte von 7,6 Mrd. € vor Steuern unterliegt transaktionstypischen Kaufpreisanpassungen.

Beim Abschluss der Transaktion wurden die Monsanto-Anteilseigner mit 128 USD pro Aktie ausbezahlt und der Handel der Monsanto-Aktie an der New Yorker Börse eingestellt. In dem Kaufpreis von 63 Mrd. USD für die Übernahme von Monsanto wurde ein Nettoschuldenstand von Monsanto von rund 6 Mrd. USD berücksichtigt. Für den verbliebenen Betrag von 57 Mrd. USD sicherte sich Bayer im September 2016 bei einem Konsortium von 26 Kreditbanken eine Brückenfinanzierung. Zwischen September 2016 und Q1 20182 konnte die Höhe der notwendigen Brückenfinanzierung durch Eigen- und Fremdkapitalmaßnahmen wie die Platzierung einer Pflichtwandelanleihe, den Verkauf von Covestro-Anteilen sowie durch den Erwerb eines 3,6-Prozent-Anteils an Bayer (31 Mio. neu begebene Bayer-Aktien) durch die Investmentgesellschaft Temasek, Singapur, auf etwa 43 Mrd. USD reduziert werden. Diese wurde am 7. Juni 2018 zur Finanzierung der Übernahme gezogen.

2 Für die Details zu den Finanztransaktionen vergangener Quartale verweisen wir auf den Geschäftsbericht 2016 und 2017 sowie auf die jeweiligen Quartalsberichte des Bayer-Konzerns.

Am 4. Mai 2018 verkaufte Bayer 28,81 Mio. bzw. 14,2 % Aktien von Covestro zum Stückpreis von 75,50 €. Insgesamt belief sich das Volumen auf 2,2 Mrd. €. Die Bayer AG behält lediglich noch einen 6,8-Prozent-Anteil an Covestro, um die im Jahr 2020 fällige Umtauschanleihe zu bedienen. Diese Aktien, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bilanziert werden, hat die Bayer AG vom Bayer Pension Trust erworben, der nun keine Covestro-Aktien mehr besitzt.

Nach dem Abschluss der Übernahme folgten weitere Eigen- und Fremdkapitalmaßnahmen:

Am 7. Juni erzielten wir im Rahmen einer Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen mit Bezugsrechten für die Bestandsaktionäre von Bayer aus genehmigtem Kapital einen Nettoemissionserlös von rund 6,0 Mrd. € und stärkten so das Eigenkapital des Unternehmens. Hierzu wurden von Bayer ca. 74,6 Millionen neue auf den Namen lautende Aktien (Stückaktien) mit Gewinnanteilberechtigung ab dem 1. Januar 2018 ausgegeben.

Ende Juni 2018 begab Bayer über die Tochtergesellschaft Bayer U.S. Finance II LLC, Pittsburgh, USA, Anleihen über 15 Mrd. USD und über die Tochtergesellschaft Bayer Capital Corporation B.V., Mijdrecht, Niederlande, über 5 Mrd. €. Alle Anleihen sind von der Bayer AG garantiert.

Darüber hinaus unterzeichnete Bayer am 27. Juli 2018 die Verträge zum Verkauf des verschreibungspflichtigen Dermatologie-Geschäfts von Consumer Health. Die Übertragung des Geschäfts an LEO Pharma A / S, Ballerup, Dänemark, erfolgt in zwei Schritten. Vorbehaltlich der Erfüllung der Closing-Bedingungen soll das US-Geschäft am 4. September 2018 übertragen werden, wohingegen das restliche globale verschreibungspflichtige Dermatologie-Geschäft voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf den Käufer LEO Pharma A / S übergeht. Das zu veräußernde Portfolio umfasst verschreibungspflichtige Marken wie u. a. Advantan™, Skinoren™ und Travocort™. Der Kaufpreis beträgt 58 Mio. € für das US-Geschäft und 555 Mio. € für das restliche globale Geschäft und unterliegt transaktionstypischen Anpassungsmechanismen.

Am 10. August 2018 sprach ein Geschworenengericht in San Francisco, USA, einem Kläger einen Schadenersatz von 39 Mio. USD und einen Strafschadenersatz von 250 Mio. USD zu. Der Kläger behauptete, ein Monsanto-Produkt habe seine NHL-Erkrankung (Non-Hodgkin-Lymphome) verursacht. In Reaktion darauf ging der Kurs der Bayer-Aktie zeitweilig deutlich zurück. Wir halten die Entscheidung für falsch und beabsichtigen, das Urteil durch den Richter des Geschworenengerichts überprüfen zu lassen sowie Berufung einzulegen, falls erforderlich. Mehr als 800 wissenschaftliche Studien – darunter auch eine unabhängige Untersuchung, die über mehr als 20 Jahre hinweg über 50.000 lizenzierten Applikatoren sowie in der Landwirtschaft Beschäftigten und deren Partnern folgte – sowie Aufsichtsbehörden weltweit haben bestätigt, dass Glyphosat bzw. Glyphosat-basierte Herbizide nicht krebserregend sind und dass die bestimmungsgemäße Anwendung sicher ist. Für weitere Details verweisen wir auf Abschnitt „Rechtliche Risiken“.

Konzernstrukturveränderungen

Im Zuge der Übernahme von Monsanto wurde die Berichtsstruktur des Segments Crop Science auf die künftigen Größenverhältnisse der verschiedenen strategischen Geschäftseinheiten abgestimmt. Die Werte vorhergehender Perioden wurden dementsprechend angepasst.

Anpassung der Crop-Science-Struktur

Bisherige Berichtsstruktur

 

Berichtsstruktur ab Q2 2018

Herbizide

 

Herbizide

 

 

Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften

 

 

Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften

Fungizide

 

Fungizide

Insektizide

 

Insektizide

SeedGrowth

 

 

Environmental Science

 

Environmental Science

Gemüsesaatgut

 

Gemüsesaatgut

Sonstige

 

Sonstige

Crop Science gesamt

 

Crop Science gesamt

Aufgrund der relativen Größe von Monsantos „Corn seed and traits“- und „Soybean seed and traits“-Geschäften weisen wir unsere korrespondierenden strategischen Geschäftseinheiten „Maissaatgut und Pflanzeneigenschaften“ sowie „Sojabohnensaatgut und Pflanzeneigenschaften“ von nun an separat aus. Das „Agricultural Productivity“-Geschäft von Monsanto wird auf Herbizide, Environmental Science und Sonstige allokiert, „Cotton seed and traits“ und „All other crops seeds and traits“ werden unter Sonstige berichtet und das „Vegetable seeds“-Geschäft wird unserer entsprechenden Geschäftseinheit Gemüsesaatgut zugeordnet. Unser SeedGrowth-Geschäft weisen wir aufgrund der relativen Größe nicht mehr gesondert aus, sondern subsumieren es unter Sonstige. Die regionale Berichterstattung bleibt von den Änderungen unberührt.

Vergleich zum Vorjahr